Ausencias Presentes- a family portrait (2012)
Regie: Henrike Neuhaus; Drehort: Argentinien; Spanisch mit englischen UT; 17 min.
Diskussion mit Henrike Neuhaus

Aufgrund der Wirtschaftskrise in Argentinien wuchs in Buenos Aires die Gruppe an Menschen an, die wiederverwertbares Material informell sammeln. Dieses seit Beginn des Jahrtausends stetig wachsende Phänomen förderte die Bildung von Gruppen, die Verhandlungen mit der Regierung antreiben wollen, um das Müllsammeln zu formalisieren. Insbesondere die Gruppen, die aus den Vororten der Stadt mit dem „tren blanco“ (weißer Zug) in das Zentrum der Hauptstadt fahren, stehen in den Medien im Mittelpunkt. Dieses Filmprojekt versucht, das von den argentinischen Massenmedien produzierte Bild im Sinne der Shared Anthropology mit einer emischen Ästhetik zu betrachten. Noemi (46) und ihre Töchter Daniela (16) und Florencia (18) erzählen uns die Geschichte ihrer Familie.

Cholita Libre: If you don’t fight you’ve already lost (2010)
Regie: Jana Richter/ Rike Holtz; Drehort: Bolivien; Spanisch, deutsche u. englische UT; 70 min.
(http://www.richterproduction.de/CholitaLibre/index.html)

Was SIE wollen, das schaffen SIE. Wenn SIE es nicht machen, macht es keiner. SIE können verlieren, aber das heißt nur, dass SIE weiter kämpfen werden. SIE sind mit ihren glitzernden, bunten Röcken wie Blumen auf dem Asphalt. Und natürlich sind SIE stärker als alle Männer dieser Welt. Ihr Kampfstil, der Lucha Libre (latinoamerikanisches Wrestling), ist eine Mischung aus Sport und Schauspiel, Athletik und Choreographie. SIE sind Cholitas und SIE sind Wrestlerinnen. Im Wrestling kämpft das Gute gegen das Böse und oft gewinnt es, um uns zu zeigen, dass diese Welt sich ändern kann.
Wir lernen Rosita, die Herzensbrecherin, Carmen Rosa, die Meisterin, Yolanda, die Leidenschaftliche und Claudina, die Verdammte kennen. Die vier Cholitas kämpfen auf Augenhöhe mit den Männern im Ring. Sie schonen sich nicht, sie unterstützen, verbessern und korrigieren sich. Sie trainieren nicht das Gegeneinander-Kämpfen, sondern das Miteinander. Was sie wollen, schaffen sie. Wenn nicht in der „Realität“, dann eben im Ring – denn der Kampf auf der Bühne ist nur eine andere Spielart des Lebens und wer dabei nicht kämpft, hat schon verloren.

Darkmoon (2012)
Regie: Thomas John/ „Ronyk“ (Enrique Floriano Hernández Cruz); Drehort: Mexiko); Spanisch/Tzotzil mit englischen UT; 54 min.
Diskussion mit Thomas John

Die junge Tzotzil-Maya Poetin Suyul ist eine zweisprachige Dichterin und schreibt in ihrer Erstsprache Tzotzil und in ihrer Zweitsprache Spanisch. Co-Protagonist des Films ist ihr guter Freund Ronyk, Tzotzil Maler und Filmemacher. Er ist gleichzeitig auch Mitfilmemacher von Darkmoon und war in den Produktionsprozess involviert. Ziel des Produktionsteams war es, eine poetische audio-visuelle Sprache zu finden, um die in Suyuls Poesie stark behandelten Themen darzustellen: Frauen, Düsterkeit, Tod, die Realitäten der Tzotzil. Obwohl Syuls‘ Poesie indigen und ihrer Kultur spezifisch erscheint, ist sie selbst sehr kritisch gegenüber Annahmen von „Indigenität“. Sie dekonstruiert den Begriff „indigen“, gibt uns aber eine tiefe Einsicht in eine übermenschliche Tzotzil Realität ihrer Poesie. Darkmoon konfrontiert Menschen mit offensichtlich „exotischen“ und ungewöhnlichen Realitäten, aber auch zeitgleich mit solchen des „eigenen“ kulturellen Kontextes, wodurch sie relativiert werden und nicht weniger exotisch erscheinen.

Dona Joventina (2010)
Regie: Clarisse Kubrusly/ Milena Sá/ Julia Barreto; Drehort: Brasilien; Portugiesisch mit englischen UT; 27 min.

Dieser Dokumentarfilm präsentiert die umstrittene „Biographie“ der Dona Joventina, der Puppe der Maracatu-Gruppe Estrela Brilhante. Die Holzskulptur blieb über 30 Jahre (1965-1996) im Besitz der Forscherin Katarine Real, bis sie dann an das Museo do Homem do Nordeste in Recife gespendet wurde. Heute existieren zwei Maracatu-Gruppen, die sich Estrela Brilhante nennen und die nun auf unterschiedliche Weise die Figur zurückfordern. In einem Projekt, das aus einer Kombination von Kino, Anthropologie und Musik entstanden ist, zeigt der Film die Gefühle und die Bräuche der Menschen, die in die Geschichte der Dona Joventina verwickelt sind.

Eine Frage der Perspektive (2011-2013)
Regie: Julia Luhnau/ Josefine Borrmann; Drehort: Brasilien; Portugiesisch mit deutschen UT; 63 min.
(http://www.aquestionofperspective.org/home)
Diskussion mit Julia Luhnau und Thomas Keufner

„Paz, Justiça e Liberdade“ (Übersetzt: Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit) – mit diesen Werten schmückt sich die brasilianische Drogenbande Comando Vermelho seit ihrer aufsehenerregenden Gründung in den 70er und 80er Jahren. Doch was bedeuten diese Werte eigentlich? Und noch viel wichtiger: Was bedeuten sie für die Menschen, deren Leben unausweichlich mit dem seit Jahren wütenden Drogenkrieg verflochten sind? Zwischen alter und neuer Polizei, dem Staat und dem Comando Vermelho: Wen von ihnen gelingt es, Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit in die Favelas zu bringen?
An der Seite der Brüder Francisco und Leandro begeben wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf diese Fragen und blicken dabei hinter die Kulissen einer der größten Drogenbanden Brasiliens. Wir begleiten Polizisten, Bandenmitglieder und Favela-Bewohner in ihrem alltäglichen Leben und sprechen über ihre ganz persönlichen Ansichten, Werte und Perspektiven für die Zukunft. Schlussendlich stellt der Film keine bloße Reportage über das Comando Vermelho dar. Er ist vielmehr eine Geschichte über das Leben selbst, über Menschen, die sich auf ihre ganz eigene Suche nach Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit begeben. Es ist eine Suche nach einem würdevollen Leben in einer Realität, die nicht viele Chancen, aber dennoch viele Wege bereithält.

Monolog(e) an der ruta del esclavo (2013)
Regie: Diana Morales/ Jessica Higueros/ Stephanie Schmidt/ Julia Schulte/ Ricardo Amigo; Drehort: Cuba; Deutsch/ Spanisch mit englischen UT; 15 min.

Im Rahmen der Kuba-Exkursion zum Thema „Transatlantische Verflechtungen in der Karibik – koloniale Ordnungsmuster und ihrer heutiges Erbe“ entstand dieses studentische Filmprojekt. In diesem Projekt reflektieren die Filmemacher_innen ihre Erfahrungen an verschiedenen Erinnerungsorten auf der „ruta del esclavo“. Besonders ihre eigene Rolle als Filmschaffende wird hierbei thematisiert.

Montes Azules: Resettlement or Resistance
Regie: Sandra Schmidt / Barbara Rühling; Drehort: Mexiko; Spanisch mit englischen UT; 50 min.
Diskussion mit Sandra Schmidt und Barbara Rühling

Die letzten verbleibenden Tropenwälder der Erde sind der Reichtum des 21. Jahrhunderts mit ihrer Artenvielfalt und den Wasserreserven. Doch genau in diesen Regionen leben noch indigene Gruppen. Im Biosphärenreservat Montes Azules im Urwald von Chiapas kommt es zu einem Konflikt zwischen Menschenrechten und Naturschutz, als die Regierung versucht, indigene Gemeinden aus dem Gebiet auszusiedeln. Die Situation spitzt sich zu, weil einige der einheimischen Gemeinden den Widerstand der Zapatistas unterstützen. Der Film versucht, den verschiedenen Positionen innerhalb des Konfliktes – der Regierung, ethnischen Gruppierungen, unterschiedlichsten Organisationen und Experten zum Thema – Raum zu geben. Eine schnelle Lösung des Konfliktes scheint nicht in Sicht: 2005 startet die Regierung eine neue Welle von Umsiedlungen.

On the Road with Maruch (2008)
Regie: Florian Walter; Drehort: Mexiko; Spanisch mit englischen UT; 43 min

Dieser anthropologische Dokumentarfilm präsentiert uns die Welt von Maruch de la Cruz Pérez. Maruch ist eine 42 Jahre alte, unverheiratete Frau aus Chiapas, die es liebt, in ihrem Land zu reisen und andere Kulturen kennen zu lernen. Aufgrund ihrer Biographie ist zum einen ihre Position in ihrem Heimatdorf Zinacantan problematisch, zum anderen wird sie auf ihren Reisen mit dem Rassismus und Sexismus der mexikanischen Gesellschaft konfrontiert. Auf einem Roadtrip durch Chiapas mit Maruch und der Filmcrew wird ein Einblick in die Kultur und Gesellschaft einer Nachkriegsregion gegeben. Ebenso ist der Film ein intimes Portrait einer indigenen Frau, die versucht ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das ihr Freiheit von den Traditionen ihres Dorfes, ihrem Ex-Ehemann und dem Terror der paramilitären Gruppen garantiert.

Still Working (2012)
Regie: Henrike Neuhaus; Drehort: Argentinien; Spanisch mit englischen UT; 13 min.
Diskussion mit Henrike Neuhaus

Am späten Nachmittag, wenn andere Leute von den Büros nach Hause fahren, fangen die sogenannten ‚cartoneros‘ an, in den Straßen wiederverwertbaren Müll zu sammeln. In ‚Still Working‘ beobachtet die Kamera die Arbeitsschritte der cartoneros – das Sammeln, Trennen, Sortieren, bis hin zum Verkauf des Materials.

Tales Coconuts Tell (2013)
Regie: Alejandro Jaramillo; Drehort: Panama; Spanisch; 47 min.
Diskussion mit Alejandro Jaramillo

Wie in den meisten Teilen des Kuna Gebietes in Panama, werden auf der Insel Mulatupu Kokosnüsse geerntet. Auf der einen Seite werden diese im Tausch gegen unterschiedliche Waren des täglichen Bedarfs mit kolumbianischen Schiffen gehandelt. Auf der anderen Seite werden die Kokosnüsse zu Waren mit einem Tauschwert in Dollar. Innerhalb der Gemeinschaft der Kuna setzen Transformationsprozesse ein, die Kokosnuss fungiert somit als Katalysator und gleichzeitig als Zeuge der Veränderungen der Kuna Gemeinde: Jugendmigration, Veränderung der familiären Beziehungen, Verschwinden von Subsistenzwirtschaft, etc.

Vendemos recuerdos (2009)
Regie: Caroline Corral Paredes; Drehort: Mexiko; Spanisch mit englischen UT; 25 min.
(http://ethnocineca.at/filme/memories-for-sale/)

Jedes Jahr kommen TouristInnen, Familien, RevolutionärInnen und ehrenamtliche HelferInnen nach San Cristobal, im Süden von Mexiko. Sie alle suchen nach einem authentischen Mexiko. Der Film Vendemos Recuerdos zeigt die Parallelen im Leben dreier EinwohnerInnen von San Christobal auf, deren Beruf es ist den Reisenden das zu bieten, was sie erwarten: ein pittoreskes und echt indigenes Chiapas. Was alle Geschichten verbindet, ist die Suche nach dem richtigen Fotomotiv. Vendemos Recuerdos befasst sich mit daraus entstehenden Dynamiken, Logiken und Interpretationen von Bildern, Bildpolitiken und dem Bilder Machen, wobei sich auch die Filmemacherin von der kritischen Auseinandersetzung nicht ausschliesst.

Y el rio sigue corriendo (2010)
Regie: Carlos Pérez Rojas; Drehort: Mexiko; Spanisch mit englischen UT; 70 min.
(http://yelriosiguecorriendo.wordpress.com/)
Diskussion mit Carlos Pérez Rojas

Seit 2003 versucht die mexikanische Regierung La Parota zu bauen, einen Staudamm für ein Wasserkraftwerk, das mehrere Gemeinden im Süden von Acapulco überschwemmen würde. ‚Y el río sigue corriendo‘ zeigt uns den Widerstand der campesinas und campesinos, die uns anhand ihres Lebens und ihrer Arbeit über ihre Liebe für die Erde erzählen.
Since 2003, the Mexican government has been pushing to build the La Parota hydro-electric dam in Guerrero, which would flood several communities south of Acapulco, dislocating the Indigenous people who live there. As many campesinos rise up in opposition to the dam, tensions run high in the communities and violence escalates. In vérité style, Rojas creates an intimate and inspiring documentary of the people stuck in the midst of the conflict and their courage to stand up for the love of their homeland, even in the face of violence and loss of life.